Werbung zum Seminar

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Bereits am 25. April habe ich zusammen mit der Hochschulgruppe der  Jungen Europäischen Föderalisten in Erfurt ein Seminar für Erstwähler organisiert. Zielgruppe waren  junge Erwachsene, die in diesem Jahr zum ersten Mal bei der Europawahl am 7. Juni wählen dürfen.

Trotz zahlreicher Klassenbesuche an Erfurter Schulen, ist es uns nicht gelungen Schüler der 12 und 13 Klasse  als Teilnehmer zu gewinnen.  Ich selbst war an einer berufsbildenen Schule in Erfurt und hatte die Gelegenheit in 5 Klassen für unser Angebot zu werben.

Mit einem gewissen Desinteresse der Schüler habe  ich gerechnet, es unterstreicht die schlechte Beteiligung  junger Menschen an den Europawahlen. Nach 3 Stunden Überzeugungsarbeit hatte ich zu mindestens 6 von ca. 100 Schüler überzeugt sich in unsere  Anmeldeliste einzutragen. Doch beim 4 Tage später stattfindenden Seminar  waren auch sie nicht aufgetaucht.

Schüler, zu mindestens diejenigen an dieser Schule, scheinen noch nicht in Europa angekommen zu sein. Ihr Desinteresse ist ein Indiz für eine allgemeine Politikvergrossenheit , die nicht nur jungen Wählern zu eigen ist. (“Was können wir schon ändern!” “Die Politiker machen  ja sowieso was sie wollen!” “Meine Stimme bringt ja sowieso nichts!”).

Vielleicht herrscht aber auch einfach Unkenntnis über die Bedeutung der Europäischen Union für unser alltägliches Leben. Die Tatsache, dass wir unser Erstwählerseminar am Ende für 35 Staatswissenschaftler der Universität Erfurt durchführten, spricht hier Bände. Diese sind tendenziell besser über die Prozesse in Europa informiert und wissen deshalb um seine Bedeutung. Überzeugungsarbeit zur Wahl zu gehn mussten wir hier auf jeden Fall nicht leiten.

IMG_1906 (WinCE)

Wahlplakat in meiner Straße

Sicherlich ist vielen die Heimatstadt näher als das ferne Europa und viele Entscheidungen der Kommunal- und Landespolitik scheinen einen größeren Einfluss auf das eigene Leben zu haben. Tragisch ist nur, dass tatsächlich nur wenig noch vor Ort entschieden werden kann. Das Wahlplakat des Erfurter Bürgermeisters spricht hier Bände!

Familien, Hirschgarten, Nordbad – bei zwei von drei geleisteten Punkten des aktuellen Bürgermeisters geht es um die Erhaltung von Erfurter Einrichtungen. Bei anderen Parteien geht es dann um Fahrradwege oder das Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen.  Ohne Frage sind dies wichtige Themen der Kommunalpolitik, aber mit der Reichweite europäischer Gesetzgebung, die in einigen Politikfeldern bis zu 80% der deutschen Bundesgesetze bestimmt ist dies nicht zu vergleichen (hier eine Auflistung der Gesetze die in der Legislaturperiode 2004-2009 vom EU Parlament verhandelt/beschlossen wurden).Nun bin ich persönlich ein Freund der Europäischen Integration – Fakt ist aber egal ob man Europa liebt oder nicht, wer nicht zur Wahl geht lässt andere für sich die Entscheidungen treffen.

1 Meter langer Wahlzettel

1 Meter langer Wahlzettel

Die Teilnehmer unseres Seminars hatten die Gelegenheit mehr über das Europäische Parlament und seine Bedeutung für Europa zu erfahren. Mitarbeiter des Thüringer Landeswahlleiters erklärten anschließend das Wahlverfahren und den fast einen Meter langen Stimmzettel.

Highlight war sicherlich die Diskussion mit den Thüringer Spitzenkandidaten zur Europawahl. In kleinen Gruppen konnte jeder ins Gespräch mit den Politikern kommen. Damit entschieden wir uns gegen die sonst üblichen Podiumsdiskussionen, wo  die Politiker dazu neigen, sich in Diskussionen untereinander zu verstricken und die Bürger weitestgehend zum Zuhören verdammt sind. Wir zogen den dirkten Austausch mit den Kandidaten vor und traffen hiermit auf große Zustimmung der Teilnehmer und der Politiker. Letzere bekamen in diesem Format die Argumente des politischen Gegners nur indirekt zu hören, hatten dafür aber einen intensiveren Austausch mit ihrem potenziellen Wählern.

Gespräch mit Kandidaten

Gespräch mit Kandidaten

Die Teilnehmer des Erstwählerseminars gingen informierter und mit einer klareren Vorstellung darüber was sie wählen sollten aus unserer Veranstaltung. DAS sie wählen würden war schon vorher klar. Ob wir mit einem anderen Format mehr und vor allem andere Wählergruppen erreicht hätten, bleibt zu analysieren. So wurde unser Seminar zur  Multiplikatorenschulung. Die Hoffnung besteht also, dass die Teilnehmer im direkten Gespräch mit Freunden und Eltern noch viele davon überzeugen werden am 7.  Juni zur Europawahl zu gehen.

Mehr Informationen zum Seminar, einschließlich Photos, Berichten und  Videos, gibt es auf der Seminarseite

Mehr zu den Jungen Europäischen Föderalisten in Erfurt gibt es hier.

Auf einem Wiki-Portal haben die Europa-Union Deutschland und die JEF Deutschland aktuelle Informationen rund um die Europa-Wahl in Deutschland zusammengestellt.

Hier finden sich informationen zu allen deutschen Kandidaten, zu den Wahlprogrammen der Parteien sowie zu den überparteilichen Kampagnen von EUD und JEF.

Das Portal ist als kollaboratives Projekt angelegt. Sein Erfolg hängt von der aktiven Mitarbeit aller Interessierten ab. Jeder kann sich selbstständig einloggen und Informationen zur Europa-Wahl aktualisieren und hinzufügen.

Am 13. Juni fand unter der Organisation der JEF-Jena eine Podiumsdiskussion zum Thema Aus- und Weiterbildung in Europa an der Universität Jena statt. Im Podium saßen:
Gisela Heubach, Willen Noë(Europäische Kommission in Deutschland), Daniel Braun (Konrad-Adenauer-Stiftung), Ingrid Weidhaas (IHK-Gera) sowie Heinz Hoffmann (Thüringer Staatskanzlei).

In seiner Einführung machte Herr Hoffmann auf die Bedeutung
der Europäischen Union für die deutsche Wirtschaft aufmerksam. Er betonte die Wichtigkeit des Lissabonner Vertrages, welcher Europa’s Rolle in der Welt stärken soll. Hoffmann nannte als wichtige Tugenden für einen erfolgreichen Einstieg in die Arbeitswelt: Flexibilität, praktische Erfahrungen, der Wille zum Ortswechsel sowie lebenslanges Lernen.

Weidhaas forderte die jungen Zuhörer auf Europa und die Welt zu entdecken und Erfahrungen zu sammeln. Anschließend wäre es gut, wenn einige sich entschließen würden ihre Kompetenzen in Thüringen einzubringen. Wichtig sei es irgendwann Wurzeln zu schlagen am besten in der alten Heimat.

Willen Noë unterstrich, dass die Europäische
Integration nicht nur mit Wirtschaft zu erklären sei.
Um Europa zu verstehen, sei ein Blick auf die Geschichten der einzelnen Nationalstaaten wesentlich. Ohne die Berücksichtigung der historischen Wurzeln, sei ein europäisches Denken nicht möglich. In einem kurzen Referat beschrieb Herr Noë anschließend das Bewerbungsverfahren für europäische Institutionen und weckte das Interesse vieler Studenten.

Wichtige Adressen für die Job- und Praktikasuche in der Europäischen Union sind: