Gestern war ich auf einer Veranstaltung der Bundestagsfraktion der Grünen in Erfurt. Thema der Diskussionsrunde, bestehend aus Bärbel Höhn (stellv. Fraktionsvorsitzende der grünen Bundestagsfraktion), Dr. Armin Vetter (Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft) und Ron Hoffmann (Vorstandsvorsitzender des BUND Thüringen), war „Essen oder Tanken: die Zukunft der Bioenergien und ihr Einfluss auf die steigenden Lebensmittelpreise”. Moderiert wurde die Veranstaltung von Katrin Göring-Eckardt (Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages).
Überraschenderweise hatten die Diskutanten die Eingangsfrage recht schnell abgehandelt. Alle kamen zu dem Schluss, dass in Anbetracht des geringen Prozentsatzes an Agrarfläche, die für die Herstellung von Bioenergien genutzt werden, die preissteigernde Wirkung marginal ist. Trotzdem gäbe es regionale Beispiele, etwa der Fall der rückläufigen US-Maisexporte nach Mexiko, wo die Auswirkungen deutlicher wären.
Ich finde diese klare Distanzierung von der teilweise panischen Reaktion vergangener Monate begrüßenswert. Gleichzeitig zitiert die heutige Süddeutsche (Süddeutsche Zeitung Nr. 210, S. 21) den OECD Direktor für Handel und Landwirtschaft, Stefan Tangermann, der davon spricht, dass für 1/3 der Preissteigerungen Biospritsubventionen verantwortlich wären. Da weiß man wirklich nicht, was man glauben soll.
Bioenergien und der Klimawandel
Der gestrige Abend zeigte jedoch, dass Bioenergien beim Kampf gegen den Klimawandel unverzichtbar sind. Trotzdem bedarf es einer differenzierten Betrachtung, denn nicht alle Rohstoffe, die zur Herstellung von Bioenergien benutzt werden, hätten die gleiche Energieeffizienz (Raps etwa 1:4, und Mais nur 1:1,3).
Auch wäre entscheidend, wofür man die Bioenergie nutze. Nach Aussage der Diskutanten scheint die Verwendung als Kraftstoff weniger sinnvoll, während die Einspeisung als Biogas oder Heizöl großes noch ungenutztes Potenzial habe. Auch käme es darauf an, welche Rohstoffe verwendet würden. Dabei ist die Klimabilanz bei der Nutzung von Abfallprodukten, zum Beispiel Holzschnitt, tierische und menschliche Verdauungsprodukte für die Herstellung von Bioenergien besonders vielversprechend.
Landwirtschafliche Notwendigkeiten
Armin Vetter machte darauf aufmerksam, dass der hohe Anteil an Rapsfeldern in Deutschland auch mit der Bedeutung der Rapspflanze für die Fruchtfolge zusammenhänge. Bauern müssten zur Erhaltung ihrer Felder regelmäßig sogenannte Hackfrüchte (z.B. Kartoffeln, Zuckerrüben und Raps) anbauen.
Rechnet man den wirtschaftlichen Nutzen beim Anbau von Raps hinzu wird klar, warum es so viele gelbleuchtende Felder im Sommer gibt.
Grüne Gentechnik und der Welthunger
Gegen Ende der Diskussion kam das Gespräch noch zum unvermeidbaren Thema der grünen Gentechnik. Hier zeigten sich zum ersten Mal unterschiedliche Positionen. Während der Vertreter der Lanbwirtschaft der Gentechnik positiv gegenüber stand, lehnten sowohl BUND Vertreter Hoffmann als auch Bärbel Höhn diese als unverantwortlich ab. Während die Folgen bei der medizinischen Anwendung von Gentechnik absehbar wären und vor allem der individuellen Entscheidung des Betroffenen unterlegen, sei dies bei einer landwirtschaflichen Anwendung nicht der Fall. Hier handele es sich immer um Versuche in einem offenen System, bei denen die Folgewirkungen nicht absehbar wären, so Höhn.
Zurück auf das Eingangsthema der Lebensmittelkrisen in einigen Entwicklungsländern gebracht ließ es sich Frau Höhn auch nicht nehmen, gegen das Quasimonopol von Monsanto zu wettern. Dieses Unternehmen täusche ein Interesse an den Hungernden vor, während es tatsächlich an Patenten und der Schaffung von Abhängigkeiten interessiert wäre.
Zwar kann ich diese Aversion Höhns gegen Monsanto nachvollziehen, trotzdem will ich mich dieser fundamentalen Ablehnung nicht anschließen. Solange die Möglichkeit besteht, mit Hilfe von Gentechnik Pflanzen resistenter gegen klimatische Einflüsse zu machen, sollte man diese, in Anbetracht des vielbeschworenen Klimawandels, nicht unter den Tisch kehren.





